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Ausstellung 2014:

 

 

 

 

Eyreen Sue

 

Es gibt Momente, die einen Menschen sein Leben lang prägen. Mit neun Jahren stand Eyreen Sue, die damals Zuzanna Irene hieß, mit ihren Eltern am Schalter der DDR und deutschen Grenze bei der Ausreise aus Polen. Das kleine Mädchen mit den langen blonden Haaren verstand nicht, was die Männer in den Uniformen von ihr wollten: „Ich musste alle meine Puppen abgeben. Sogar den Teddy, den ich zu meinem ersten Geburtstag bekommen habe. Sie haben allen Puppen und Teddys die Arme und Beine ausgerissen- weil sie dachten, in denen sei etwas versteckt. Ich habe noch nie so geweint.“ Schon damas entwickelte Eyreen Sue ihre ganz persönliche Art, Emotionen zu verarbeiten, frei zu lassen. Kaum in der neuen Heimat Deutschland  angekommen, begann sie  zu zeichnen und zu malen , und zwar so eindrucksvoll, dass sie bereits als Schülerin ein Kunst-Stipendium erhielt. Neben der gegenständlichen Malerei interessierte sich Eyreen Sue auch schon sehr für das Abstrakte, wo starke Emotionen noch intensiver werden und den Betrachter in einen Dialog verwickeln.

Die Quelle aller Inspiration ist das Erlebte. Darum zögerte Eyreen Sue keinen Augenblick, als sie das Angebot bekam, als Stewardess einer großen Fluggesellschaft zu arbeiten. Dabei lernte sie nicht nur unzählige Menschen auf allen fünf Kontinenten kennen, sie nutzte auch die Chance, Kunst und Beruf zu verbinden. In zahlreichen Hotels rund um die Welt stellte sie ihre Bilder aus.

 

„Manchmal reicht mir das Malen nicht, dann muss ich einfach schreien“

 

Um ihre Emotionen auszuleben, nutzte Eyreen Sue bereits sehr früh auch die Musik. „Manchmal reicht mir das Malen nicht, dann muss ich einfach schreien“. Was mit dem Klavierspielen begann, setzte sich mit einer erfolgreichen Musiker- Karriere fort. Eyreen Sue gab das Fliegen auf, um sich ganz der Kunst widmen zu können.

Sie gründete ihre eigene Band „The Strangers“, mit der sie fünf Platten aufnahm, eine davon mit ihrer Freundin Doro Pesch, um dann später die erfolgreiche Metal-Band High´N´Dry neu zu gründen, mit der sie ebenfalls eine CD aufnahm.

 

Benefiz

 

Sie engagiert sich seit vielen Jahren sehr stark im Benefiz-Bereich. So versteigerte sie im Rahmen der Adopt-a-Minefield-Gala in Düsseldorf zusammen mit Sir Paul McCartney eine Gitarre, die nicht nur von ihm, selbst, sondern auch von vielen anderen Prominenten, darunter Yussuf Islam a.k.a. Cat Stevens, Robin Gibb, Katharina Witt, Boris Becker oder dem legendären Beatles-Produzenten George Martin signiert wurde. Mit dem Instrument ging sie für die Gala eine Woche lang auf Promotion-Tour quer durch Deutschland, in Berlin wurde sie dabei von Hans-Peter Wodarz (Pomp, Duck and Cicumstances) unterstützt.

Nach der Tsunami-Katatsrophe in Asien organisierte Eyreen Sue in Düsseldorf ein großes Benfiz-Open-Air, an dem unter anderem ihre Freundin Doro und Peter Hein (Fehlfarben) teilnahmen. Außerdem unterstützt die Künstlerin zahlreiche andere Projekte, vor allem im Tierschutz.

 

Hautkunst

 

Durch die Metal-Szene entwickelte sich eine ganz neue Leidenschaft, Eyreen Sue lernte mehrere Tattoo-Künstler kennen und war fasziniert. „Malen auf die Haut ist eine ganz besondere Kunst, Die Vorstellung, dass Menschen mein Bild ihr ganzes Leben tragen, hat mir eine neue Welt erschlossen. Ich glaube, es gibt keine intensivere Beziehung zwischen dem Künstler und seinem Betrachter als bei einem Tattoo“, beschreibt sie, warum ihr die Arbeit so viel Spaß macht. Auch die Geschichten, die hinter vielen der Tätowierungen stecken, faszinieren die Düsseldorferin. Oft sind es tragische Erlebnisse, Erinnerung, oder einfach tiefe Gefühle, von denen die Kunden bewegt werden: „Wer ein Tattoo fürs Leben haben will, muss sich öffnen, und seine Emotionen preis geben, fast wie bei einem Psychiater.“

 

„Auch meine Bilder sollen unter die Haut gehen“

 

In ihrem Atelier hat Eyreen Sue parallel dazu immer weiter an ihrer neuen Gemäldeserie gearbeitet. Doch die Angst vor einer neuen kriegerischen Auseinandersetzung in Europa hat auch die Künstlerin bewegt: „Ich sah die Bilder von damals vor mir, mit Kohl und Gorbatschow, der Mauerfall. Alle waren im Herzen davon überzeugt, dass es nie wieder Krieg geben wird.“ Unter dem Eindruck der Bilder ist Eyreen Sue zur gegenständlichen Malerei zurück gekehrt. Mit ihrem Triptychon, der „25 Jahrte Mauerfall“ und die aktuellen Ereignisse künstlerisch miteinander verbindet, möchte Eyreen Sue vor allem eins: „Wachrütteln und zeigen, dass es um Menschen geht, um Gefühle, um Angst und Tränen. Ich möchte, dass nie mehr ein weinendes Kind an der Grenze seine Spielsachen abgeben muss.“ Auch diesen Moment, der für die Malerin mit einer tiefen Symbolik verknüpft ist, hat sie mit einem neuen Bild eingefangen.

Die Ausstellung in Berlin soll die Emotionen einer Künstlerin zeigen, die Zeit ihres Lebens zwischen Ost und West gestanden hat, die alle Hoffnungen auf eine friedliche Zukunft in sich trägt, und die gerade manchmal schreien  muss – auch in den Gemälden: „Ich möchte, dass auch die Bilder dem Betrachter  unter die Haut gehen und haften bleiben. Wie ein Tattoo.“

 

Triptychon Mauer 89/ 14    I  -  III

Öl/ Pigment auf Leinwand/ Acryl Spachteltechnik

jedes der drei Bilder  BxH 100 cm X 200 cm= 300 cm x 100cm